Kleine Dienstreise nach Doha/Katar

Kleine Dienstreise nach Doha/Katar

Zurück aus dem Emirat am persischen Golf – die Katarer sagen übrigens arabischer Golf – bin ich noch immer voller Eindrücke, Bilder, Gedanken und Ideen. Für zwölf Tage bin ich eingetaucht in diese für mich exotische Welt mitten in der Wüste. Ein beeindruckendes Erlebnis.

Leichtathletik WM 2019// Ein auf 24-26 Grad runtergekühltes Stadion, Marathon- und Geh-Wettbewerbe mitten in der Nacht mit Dutzenden von Ausfällen und Aufgaben, auf den Rängen zwangsverpflichtete Arbeiter und Soldaten, Scheichs in Logen, die Shisha rauchend und Kaffee trinkend dem Geschehen auf dem Rasen und der Tartanbahn folgen … in Doha alles möglich. Ich habe mich mit eigenen Augen davon überzeugt.

Gebläse // Die Düsen, die kühle Luft ins Stadion blasen, sind der Wahnsinn. Ich stand davor und die Haare standen zu Berge.

Turbogebläse kühlt im Kalifa Stadion in Doha / Katar.

Die Frisur war runiert, aber der Kopf schön frisch und kühl. Ein seltenes Gefühl, denn die Temperaturen stiegen täglich auf weit über 40 Grad, meistens bis zu 45-46 Grad. Dabei Luftfeuchtigkeit von 70% und mehr. Das ist wie Sauna in Klamotten, meinte ein Kollege. Genau!

Sport // Für die Wettbewerbe im Kalifa Stadion waren die hohen Temperaturen kein Problem. Wie gesagt, die Klimaanlage tat ihren Dienst reibungslos und es gab großartige Leistungen der Athlet:innen …. darunter zweimal Gold für Deutschland. Der Zehnkämpfer Niklas Kaul wurde überraschend Erster. Ich verfolgte das abschließende 1.500m Rennen im Stadion – vor leeren Rängen und ohne die sonst so euphorische Stimmung des europäischen Leichtathletik-Publikums. Die Weitspringerin Malaika Mihambo flog beim Finale auf unglaubliche 7,30 Meter. Für mich sind beide die „Sportler des Jahres“ und ich bin gespannt, ob ich sie dieses Jahr in Baden-Baden bei der SdJ-Gala wiedersehen werde.

Malaika Mihambo gewinnt Gold im Weitsprung

Auf den Straßen von Doha war es zu nachtschlafender Zeit schwieriger zu gewinnen. Viele Sportler:innen kamen bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit – nachts immer noch über 30 Grad – nicht durch. Klimamanagement war gefragt. Ich sprach mit dem Teamarzt der deutschen Mannschaft, Andrew Lichtenthal, im Interview darüber. Lange hatte er die deutschen Sportlerinnen und Sportler auf den Auftritt in Doha vorbereitet. Die Geher trugen lustige Hüte, in die sie Eisbeutel legten. Trinken und Kühlen war während des Rennens ein Schlüssel. Carl Dohmann wurde über die 50km Gehen 7. und schimpfte am Ende über den Wettbewerb in der Zeitung. Am vorletzten Abend kam Christopher Linke über 20km Gehen auf einen hervorragenden 4. Platz, sein bestes internationales Ergebnis. Doch auch er sprach er von einem abartigen Rennen. Und Langstrecklerin Konstanze Klosterhalfen holte als erste Europäerin Bronze über die 5.000m. Gute Ergebnisse, aber schwierige Rahmenbedingungen. Mein Kollege Eike Schulz zog in der ZDFsportreportage ein durchwachsenes Fazit.

Während der Pressekonferenz sahen Konstanze Klosterhalfen und Christopher Linke trotz guter Leistung nicht glücklich aus.

Land und Leute // Für mich persönlich waren die Leichtathletik Weltmeisterschaften in Katar sehr spannend. Ich hatte abseits des Stadions hin und wieder Zeit, mit Land und Leute in Kontakt zu kommen. Das war beeindruckend. Ich sprach mit vielen Dienstleistern. Im Hotel, Taxi, Restaurant, Geschäften, Museen. Sie kamen aus Pakistan, Indien, Kenia, Tadschikistan , Kirgisistan, Jordanien, Philippinen … Sie kamen nach Katar in der Hoffnung auf ein besseres Leben, als in der Heimat. Wer will es ihnen verdenken. Viele sprechen in diesem Zusammenhang von moderner Sklaverei. Ich weiß nicht, ob man es so nennen sollte. Massenbewegung gibt es in Afrika, im Nahen Osten, in Asien…. Armut, Verzweiflung, Verfolgung, Krieg und der Wunsch nach einem besseren Leben treiben die Menschen an. Ich kann das verstehen. Die, mit denen ich sprach, waren zufrieden mit ihrem Leben im Wüstenemirat. Mit den unzähligen Bauarbeitern konnte ich nicht sprechen. Ich sah sie höchstens aus dem vorbeifahrenden Bus. Oder auf den Fernsehbildern, als sie abends ins Kalifa Stadion geführt wurden, um für Stimmung auf den Rängen zu sorgen. Ein bizarrer Anblick. Eine absurde Welt. Mit Geld ist vieles möglich.

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